Das ungeschickte ZDF-Duo

13. Juli 2010

Zum ersten Mal bei einer Fussball WM hat das ZDF auf das Duo Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn gesetzt. Während die Moderation vor und nach dem Spiel gewohnt nüchtern und sachlich ausfiel, fanden die spanenderen Themen in Bezug auf die Personen jenseits des Spielfeldes statt. Nach dem “inneren Reichsparteitag” und dem unangemeldeten Werbevertrag mit Weihenstephan setzt nun Oliver Kahn die Themen:

fanorakel.de

fanorakel.de

In diesem Jahr wurde der Fan-Experte vorgestellt der als Stimme der Fans in die Berichterstattung einbezogen wurde und stetig auf fanorakel.de Umfragen und Diskussion organisierte. Bei teilweise mehr als 20 Millionen TV-Zuschauern dürften dort sehr hohe Zugriffszahlen verzeichnet worden sein.

Nun wurde bekannt, dass Oliver Kahn höchst persönlich mit 20% an der Betreibergesellschaft FANORAKEL GmbH beteiligt ist. Auch seine Mitgesellschafter stammen aus seinem Umfeld: Unter den Gesellschaftern ist z.B. mit 40% Anteil die Firma seines Managers die seine Bücher bewirbt, seine Webseite produziert und das persönliche Management übernimmt. Deren Vorstand  ist gleichzeitig auch Geschäftsführer der Fanorakel GmbH und Manager von Oliver Kahn. Alle anderen Gesellschafter sind Firmen aus einem Agentur-Netzwerk dem diese besagte Vermarktungsagentur angehört und die teilweise über Aufsichtsratsmandate untereinader verworren sind. Hinzu kommt, dass einer der Unterstützer von fanorakel.de die Firma DWS ist, für die Oliver Kahn als Werbefigur fungiert.

Während u.a. Dr. Michael Lohse (ZDF-Fernsehrat Mitglied) kommentierte “geht gar nicht” gab Oliver Kahn in der Bild-Zeitung bekannt, dass dies alles nicht in Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als ZDF-Experte steht. Es bleibt abzuwarten wie sich das ZDF entscheidet und wo sie den Strich ziehen zwischen Kiewel, Müller-Hohenstein und Oliver Kahn.

Warum Google auch Facebook sein will

4. Juli 2010

GoogleIn den Medien wird zur Zeit berichtet, dass Google ein eigenes soziales Netzwerk plant. Diese Nachricht alleine überrascht wenig. Zum einen da Google als Betreiber der größten Advertising Plattform natürlich seinen Werkekunden folgen muss die wiederum ihren Kunden ins social web folgen, wenn auch recht zögerlich. Zum anderen da Facebook mit verblüfender Ähnlichkeit seinen Werbekunden all das bietet, was Google so attraktiv macht wie zum Beispiel  extrem gutes Targeting auf sehr fein granular definierte Zielgruppen, z.B. “alle Veganer aus Bayern”.

Strukturierte Daten

In Zeiten in denen das Web täglich um etliche Milliarden DinA4 Seiten wächst wird es für Suchmaschinen, Aggregatoren und Werbeplattformen immer schwieriger relevant von nicht relevant zu unterscheiden. Wie geht man z.B. vor, wenn zu einem Suchbegriff etliche tausend sehr relevante Ergebnisse gefunden werden? Das Ergebnis sind immer größere Algorithmen die bei Google mittlerweile (angeblich) mit mehr als 200 Relevanzkriterien arbeiten.

Bei strukturierten Daten ist die Indizierung und Relevanz-Messung wesentlich einfacher. Algorithmen die diese strukturierten Daten finden, können sehr gezielt z.B. Bahnverbindungen, Kinoprogramme, Fussball Ergebnisse oder Personen-Daten indizieren und “semantisch” verfügbar machen. Abfragen wie “Kinoprogramm Köln” sind dann kein großes Hexenwerk. Man könnte auch sagen: bei strukturierten Daten ist ein großer Teil der Rechenarbeit bereits erledigt, nämlich die Strukturierung.

Facebook – ein riesen Pool an strukturierten, werberelevanten Profilen

40 Minuten verbringt jedes Mitglied täglich auf Facebook, dies sind hochgerechnet 16 Mrd. Minuten pro Tag. 6 Mrd. Beiträge werden pro Woche hinzugefügt, 3 Mrd. Fotos pro Monat. Weltweit gibt es 1 Million Webseiten die Facebook implementieren (z.B. Facebook Connect) und zu jeder Aktivität, jedem Beitrag und jedem Klick weiß Facebook auf die Sekunde genau von welcher Person dies stammt, wie alt er ist, wo er wohnt, was er für Freunde hat und was für Interessen, kurzum sein komplettes, werberelevantes Profil.

Google liefert heute Werbung zu einem Auto-Modell, wenn der entsprechend gebuchte Begriff eingegeben wird. Für Werbende die früher in traditionellen Medien recht große Streuverluste hinnehmen mussten ein geniales System.

Aber interessiert sich der Benutzer wirklich für das Auto? Ist er mit meiner Marke, meinen Produkten vertraut oder in der Zielgruppe der möglichen Kunden?

Diese Form des social targeting kann Google nicht bieten, Facebook schon.

Die letzten Dotcom Riesen

19. Juni 2010
Bebo.com

Bebo.com - teuerster Fehlgriff von AOL

Lang ist es her das Namen wie Aol, Lycos, CompuServe oder Terra am Himmel des neuen Marktes glänzten. CompuServe wurde einst für 1,2 Mrd. $ an WorldCom verkauft, Lycos ging für 13 Mrd. $ an die spanische Firma Terra. Während die Lycos Inc. letztes Jahr parallel zur Abwicklung von Lycos Europe nahezu alle Aktivitäten neben der Web-Suche eingestellt hat verbleibt AOL als letzter Repräsentant dieser Ära erhalten.

AOL blickt auf eine turbulente Zeit zurück. Spektakuläre Einkäufe wie z.B. dem Medien-Player Winamp ($400 Mio.), dem Chat Programm ICQ ($407 Mio.), der $4,2 Mrd. Fusion mit Netscape Communications und die $850 Mio. Euro Übernahme von Bebo.com – nur um ein Paar Beispiel zu nennen. Heute ist von all dem wenig übrig, vieles von dem ist mit deutlichen Verlusten wieder verkauft oder geschlossen. Die stetigen Strategiewechsel hin zum Advertiser, Content-Produzent, die Trennung von TimeWarner und die damit verbundene Auszahlung des Großaktionärs Google etc. haben auch in den letzten Jahren keine Ruhe einkehren lassen.

Mittlerweile ist bekannt geworden, dass AOL in Deutschland vor dem Aus steht. Das Zugangsgeschäft ist unlängst an HanseNet/Alice gegangen, das Portal Aol.de (betrieben von AOL Deutschland Medien GmbH, einer Tochter-Gesellschaft der luxembourger AOL Europe Sàrl) ist derzeit nur noch eine Art Mischung aus News-Aggregator und Link-Wiese für externe Angebote. Die deutschen Standorte sollen geschlossen werden.

Vor wenigen Tagen wurde nun bekanntgegeben, dass mit Bebo.com der teuerste Fehlgriff der Firmengeschichte von AOL nun verkauft wurde. Es wird spekuliert, dass die Verluste deutlich über $800 Mio. liegen.

Es bleibt abzuwarten, ob es dem ehemaligen “Riesen” noch einmal gelingt aufzustehen.

Robots.txt für Verlage – Strohfeuer?

19. Juni 2010
Robots.txt - wer nutzt sie

Robots.txt - wer nutzt sie

Vor einiger Zeit wurde seitens der Verlagshäuser die Kritik laut, dass sie keine Kontrolle darüber hätten, was Google bzw. Google News an Inhalten indiziert. Es wurde Google vorgeworfen sich der Inhalte zu bedienen ohne die Rechte und Wünsche der Verlage zu beachten.

Abgesehen davon, dass die gleiche Verlagshäuser natürlich sehr aktiv bestrebt waren ihre eigenen Inhalte möglichst oft und weit oben auf Google News zu platzieren, forderten sie von Google eine Steuerungsmöglichkeit für Google News.

Google führte daraufhin eine eigene Robots.txt-Direktive ein, nämlich “Googlebot-News”. Wir haben nun einmal geprüft, wie viele Verlage diese geforderte Direktive nun nutzen.

Untersucht wurden 1071 News-Webseiten, darunter die großen News-Portale, Presse- und lokale Seiten sowie special interest Seiten. 6 Webseiten nutzen eine Google-News Direktive (darunter news.de und auto.de, beide Unister). 84 schränken die Inhalte explizit für den Google-Bot ein, 137 haben gar keine Robots Anweisungen.